Endlich war es so weit. Ich durfte nach Ruanda reisen, ein Land, das schon lange ganz oben auf meiner Bucket List stand. Die Vorfreude war entsprechend riesig. Unsere Reise führte uns von der faszinierenden Hauptstadt Kigali über den Akagera-Nationalpark mit den Big Five, zu den Gorillas im Volcanoes-Nationalpark, weiter an den malerischen Lake Kivu und schliesslich in den Nyungwe-Nationalpark zu den Schimpansen.
Erster Stopp: Kigali
Gleich zu Beginn hat mich Kigali überrascht mit einer Ordnung und Sauberkeit, die ich so nicht erwartet hätte. Keine Plastikfetzen am Strassenrand, kein Müll auf den Gehwegen, keine streunenden Tiere. Stattdessen blitzsaubere Strassen und gepflegte Grünanlagen. Die strikte Abfallpolitik Ruandas zeigt hier deutlich Wirkung, unterstützt von einem landesweiten Aktionstag namens «Umuganda», der an jedem letzten Samstag im Monat stattfindet. An diesem Tag ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Bürger zwischen 18 und 65 Jahren von 8 bis 11 Uhr an gemeinschaftlichen Arbeiten teilnehmen, wie etwa der Reinigung der Umgebung. Selbst der Präsident. Auch die Sicherheit in der Stadt hat mich beeindruckt: Selbst nachts fühlte ich mich jederzeit wohl und sicher.
Ein erfrischendes Highlight war der Besuch eines lokalen Marktes, auf dem sich selten Touristen aufhalten. Das Interesse an uns war deshalb entsprechend gross, doch alles lief in ruhigen, freundlichen Bahnen ab. So unmittelbar am pulsierenden Leben teilzuhaben, war für mich ein unvergessliches Erlebnis und ein wunderbarer Einstieg in die Reise.
Ein stiller, aber bedeutungsvoller Moment unserer Reise war der Besuch des Genozid-Museums in Kigali. Die Ausstellung über die Genozid Tragödie von 1994 ging unter die Haut. Doch was mich besonders berührt hat, war das persönliche Gespräch mit unserem Guide im Anschluss. Auf unsere Frage, wie er diese Zeit erlebt habe, erzählte er ganz ruhig und versöhnlich, dass er damals erst 15 Jahre alt war und sich die gesamten 100 Tage versteckt hielt. Während seine ganze Familie ums Leben kam. Er ist der einzige Überlebende. Ihm gegenüberzusitzen und seine Geschichte zu hören, war zutiefst bewegend und hat sich bei mir eingebrannt. Noch beeindruckender war seine Haltung: Auf die Frage, ob er Groll hege, antwortete er mit einer Sanftheit, die bei mir die Tränen fliessen liess, er habe vergeben. Als ich ihn fragte, ob die Trennung zwischen Hutu und Tutsi heute noch spürbar sei, lächelte er und sagte schlicht: „Wir sind einfach alles Ruander.“ Was für ein emotionaler Moment, den ich nie vergessen werde.
Zweiter Stopp: Akagera Nationalpark
Wer denkt, in Ruanda gibt es nur Gorillas, irrt sich gewaltig.
Der Akagera-Nationalpark überrascht mit einer grossen Tierwelt und beherbergt tatsächlich die Big Five: Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn und Büffel. Und ja, wir hatten unglaubliches Glück und konnten sie alle erspähen. Wir reisten während der Regenzeit, was sich bei einem unserer Game Drives mehr als deutlich zeigte. Es goss plötzlich wie aus Kübeln. Trotz (oder gerade wegen) des Regens wurde es ein unvergessliches Erlebnis: Die Tiere tauchten in der mystisch verhangenen Landschaft auf, fast wie in Zeitlupe. Klitschnass, lachend und voller Staunen: eine Safari, die ich bestimmt nicht so schnell vergessen werde.
Dritter Stopp: Volcanoes Nationalpark
Unser Weg in den Volcanoes-Nationalpark führte uns über das Dian Fossey Museum. Dieser Besuch liess mein kleines Dian-Fossey-Fanherz höherschlagen. Besonders beeindruckend war die detailgetreu nachgebaute Hütte, in der sie einst ihre bahnbrechenden Forschungen zu den Berggorillas durchführte. An dieser Stelle ein Filmtipp für alle die ihre Geschichte noch nicht kennen: Gorillas im Nebel.
Ein echtes Highlight war aber auch unsere Unterkunft: Die Wilderness Bisate Reserve Lodge. WOW! Riesige, stilvoll eingerichtete Zimmer, exzellenter Service, fast schon wie Gedankenlesen, ich habe mich selten so umsorgt gefühlt. Nach einer entspannten Nacht ging es am zweiten Tag zum absoluten Höhepunkt, dem Gorilla-Tracking. Nach etwa 1,5 Stunden Wanderung durch den Bergwald trafen wir auf die Gorilla-Familie «Sabyinyo». Diese besteht aus 15 Mitglieder, darunter zwei imposante Silverbacks und sogar ein winziges Neugeborenes, gerade mal fünf Tage alt. Die Stunde, die man bei den Gorillas verbringen darf, war ein einziges Staunen. Ihre Mimik, Gestik – so menschlich, so berührend. Zwei Jungtiere lieferten sich sogar ein kleines Spiel mit uns und rannten frech auf uns zu, um uns zu erschrecken (mit Erfolg) 😉.
Zurück in der Lodge sprachen wir noch lange über dieses unglaubliche Erlebnis. Und ja, geschlafen haben in dieser Nacht alle wunderbar.
Vierter Stopp: Lake Kivu
Die Anreise zum Lake Kivu hatte es in sich: Rund vier Stunden schlängelten wir uns über kurvige Passstrassen – rauf, runter, links, rechts… puh! Aber jede Kurve hat sich gelohnt. Die Region empfing uns mit einem ganz anderen Klima. Wärmer, feuchter, und spürbar tiefer gelegen als die Nationalparks, welche auf etwa 2.500 m.ü.M. liegen. Manchmal sah es fast so aus wie am Bodensee, nur afrikanischer 😉. Wir schnappten uns ein Kajak und erkundeten die kleine Inselwelt mitten im See. Die Stille, das sanfte Gleiten übers Wasser und die «verschlafene» Landschaft machten diesen Tag zu einer willkommenen Verschnaufpause auf unserer abenteuerreichen Reise.
Fünfter Stopp: Nyungwe Nationalpark
Auf die Schimpansen im Nyungwe-Nationalpark hatte ich mich besonders gefreut, denn sie gehören zu meinen absoluten Lieblingstieren. Ihre Intelligenz, ihr Verhalten, ihre Nähe zu uns Menschen faszinieren mich sehr. Die Wanderung war anspruchsvoller als im Volcanoes-Nationalpark, da die Wege steiler und rutschiger waren. Dafür führte der Weg durch dichten, uralten Regenwald. Diese Ruhe, nur unterbrochen vom Zwitschern der Vögel war einfach magisch. Um die Schimpansen am Boden zu sehen (und nicht nur hoch oben in den Bäumen), braucht es sehr viel Glück und einen sehr frühen Start am Morgen. Unser Wecker klingelte um 03:50 Uhr.
Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg, kamen aber einen Tick zu spät: Die Familie war bereits in den Baumkronen unterwegs. Doch auch das war ein beeindruckendes Schauspiel. Kein inszenierter Moment, sondern pure, unverfälschte Natur. Eine ältere Schimpansin kam kurz auf den Boden und ihr Gang, ihre Bewegungen… es war, als würde ein Mensch durch den Wald laufen. Ja, da verdrückte ich doch die ein oder andere Träne 😊.
Wir standen da, blickten nach oben und haben einfach beobachtet. Einfach wow.
Ein weiteres Highlight im Nyungwe Nationalpark ist der «Canopy Walk».
Der Canopy Walk ist ein 160 m langer Hängepfad bzw. Hängebrückte, die bis zu 70 m über dem Regenwaldboden schwebt und einen fantastischen Blick auf die Baumkronen bietet. Auf dem Weg begegnet man immer wieder mal Colobus-Affen und exotischen Vögeln. Die Natur Ruandas aus der Vogelperspektive zu erleben, war ein wirklich cooles Erlebnis.
Unterkünfte
IIn Ruanda reist man zwar generell eher im höheren Preisniveau, aber dafür stimmt der Standard fast überall. Auch einfachere Unterkünfte bieten Komfort, Sauberkeit und guten Service. Viele Unterkünfte setzen auf Ökotourismus: Solarenergie, lokale Materialien und Gemeinschaftsprojekte sind keine Seltenheit.
Wer es besonders exklusiv mag, kann sich auf Luxuslodges von Wilderness oder One&Only freuen mit erstklassigem Stil, Essen und Service.
Wer sollte Ruanda besuchen?
Ruanda ist ein Reiseziel für aktive Entdecker, die mehr wollen als nur klassische Safari. Wer Natur liebt, wird von der so grünen Natur und der einzigartigen Tierwelt – allen voran den Berggorillas – begeistert sein. Das Land eignet sich auch hervorragend für Afrika-Einsteiger: Es ist sicher, organisiert, sauber und mit überraschend hohem Standard. Ideal für alle, die zum ersten Mal den Kontinent bereisen. Gleichzeitig fasziniert Ruanda auch erfahrene Afrika-Reisende, denn es ist anders als alles andere: kompakt, modern, faszinierend und bewegend – landschaftlich als auch kulturell.
Fazit
Was für ein eindrucksvolles, emotionales und wunderschönes Land. Einen Gorilla aus nächster Nähe zu erleben, einem Wesen so ähnlich wie wir, ist zutiefst berührend und bleibt für immer im Herzen. Mich hat die Geschichte Ruandas schon lange beschäftigt. Diese nun vor Ort zu erleben, war ein riesiges Highlight. Die vielen Begegnungen, ob mit Menschen oder Tieren, waren bewegend und besonders. Die Unterkünfte top, das Essen köstlich und die Gastfreundschaft einfach überwältigend. Abseits der grossen Touristenströme ein ganz anderes Afrika zu entdecken, das war schlichtweg hammermässig 😊.





















































